Industrial Relations for a Green Economy


Industrial Relations for a Green Economy – Welche Rolle spielen Gewerkschaften beim Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft?

Gewerkschaften in Europa unterstützen den Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft. Sie fordern aber auch ein, dass es dabei fair zugehen muss. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen zu den Gewinnern des Wandels gehören.
Welche Rolle spielen Gewerkschaften in diesem Prozess tatsächlich? Auf welchen Handlungsfeldern sind sie aktiv? Welche Strategien und Maßnahmen haben sich aus gewerkschaftlicher Sicht bewährt, welche weniger?
Diese Schlüsselfragen wurden im Rahmen eines europäischen Gewerkschaftsprojektes anlässlich eines Workshops Anfang Oktober 2014 in Athen diskutiert. Projektpartner aus Belgien, Griechenland, Frankreich, Italien und Deutschland haben über dreißig aktuelle Praxisbeispiele zusammengetragen. In der Gesamtschau zeit sich ein breites Aktionsspektrum für Gewerkschaften, aber auch Hindernisse für proaktives Handeln. Insbesondere die Krisenbekämpfung in Südeuropa verhindert ein stärkeres gewerkschaftliches Engagement in notwendigen Zukunftsfragen.
Dennoch wurden wichtige Funktionen von Gewerkschaften im Übergangsprozess deutlich: Gewerkschaften stehen vor der Herausforderung, sich einerseits mit den heutigen Problemen und Schutzbedürfnissen ihrer Mitglieder auseinanderzusetzen, andererseits aber auch einen zukunftsorientierten Blickwinkel einzunehmen und Chancen des Wandels zu erkennen. Sie müssen über ihre angestammten Themen und das Tagesgeschäft hinaus den Wandel antizipieren. Sie müssen Strategien einfordern, die den Übergang der Beschäftigten flankieren, z.B. Qualifizierung.
Ein zentrales Ergebnis des Workshops ist, dass der Weg in eine nachhaltige Gesellschaft kein „deut-scher Sonderfall“ ist, sondern viele Gewerkschaften in Europa bewegt. Die zahlreichen Beispiele legen zudem nahe, dass es keine starre Blaupause für erfolgreiche gewerkschaftliche Beteiligung gibt, die 1:1 übertragbar wäre. Deutlich wird auch, dass die Gestaltung des Übergangs auch auf Gewerkschaften selbst zurückwirkt: neue Formen von Beteiligung werden erprobt, die Arbeit in Netzwerken nimmt zu.
Die IG BAU Westfalen beteiligt sich gemeinsam mit dem DGB NRW und Arbeit und Leben NRW an dem europäischen Gewerkschaftsprojekt „Industrial Relations for a Green Economy“. Die Laufzeit des Projektes beträgt ein Jahr und endet im Dezember 2014. Das Projekt wird verantwortet und koordiniert von der Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL) Toscana, Italien. Projektpartner sind Ecologia e Lavoro, IAL Toscana, (Italien), Arbeit und Leben DGB/VHS NW e. V, in Kooperation mit den DGB NRW und der IG BAU Westfalen (Deutschland), EKA Athens Labour Unions Organization (Griechenland), Confédération Démocratique du Travail (Frankreich) und die Fédération Générale du Travail de Belgique (Belgien). Der Kick-Off Workshop fand am 12./13.02.2014 im Centro Studi in Florenz statt.
Das Projekt wird in Kooperation mit dem Europäischen Gewerkschaftsbund in Brüssel durchgeführt und finanziell von der Europäischen Union gefördert.

(Achim Vanselow, DGB-NRW)

Foto: Jürgen Lange, AuL NRW