2016 - Studie: In Münster 61.000 Frauen in „atypischer Beschäftigung“

Studie: In Münster 61.000 Frauen in „atypischer Beschäftigung“

IG BAU Münster-Rheine warnt vor steigender Altersarmut für Frauen


Münster, 02.11.2016
Unsichere Jobs sind meist Frauensache: In Münster arbeiteten Ende letzten Jahres
knapp 61.000 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit. Damit machten sie 66
Prozent der „atypischen Beschäftigung“ aus, wie eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. In ganz NRW waren demnach knapp 2,5 Millionen Frauen atypisch beschäftigt. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit und warnt zugleich vor einer zunehmenden Altersarmut für Frauen: „Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen.“ Dabei seien Zeiten der Schwangerschaft oder
Kindererziehung noch nicht einmal berücksichtigt.

„Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente
immer öfter zu Verliererinnen“, sagt Wolfgang Berkes, Bezirkschef der IG BAU Münster-Rheine. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde. So gab es nach Angaben der Böckler-Studie in Münster zuletzt 35.134 Teilzeit-Arbeiterinnen – 57 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Demgegenüber haben Ende letzten Jahres nur 10.866 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 23.925 Mini-Jobberinnen 59 Prozent aller geringfügig Beschäftigten in der Stadt weiblich.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Rentendebatte fordert die IG BAU, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. „Gerade in der Gebäudereinigung, im
Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen, sondern Teilzeit-
oder Mini-Jobs. Die Folge ist, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum
Sozialamt gehen müssen“, so Gewerkschafter Berkes. Zudem fehlten Frauen wegen
Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Und auch nach
einer Scheidung stünden viele Frauen mit leeren Händen – aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht – da.

„Die Folge davon ist eine weiter zunehmende Altersarmut bei Frauen“, ist Wolfgang
Berkes sicher. Unternehmen und Politik müssten deshalb gleichermaßen gegensteuern.
„Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige
Jobs schaffen – für Frauen und Männer“. Weniger zu arbeiten, müsse eine individuelle Entscheidung sein und kein Zwang. Für Reinigungskräfte sei Vollzeit mittlerweile fast eine Seltenheit, obwohl sich das viele Beschäftigte wünschten.

Eine zentrale Voraussetzung für höhere Renten sei natürlich die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, so der Gewerkschafter. Mittlerweile habe die Politik die
Bedeutung von „Equal Pay“ erkannt und ein Lohngerechtigkeitsgesetz auf den Weg
gebracht. Berkes spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“, kritisiert jedoch,
dass Beschäftigte erst in Betrieben ab 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Bezahlung der Belegschaft haben. Damit greife das geplante Gesetz nur in Teilen des Handwerks und der Reinigungsbranche.

Eine entscheidende Maßnahme wäre es, so die IG BAU, Phasen der Erwerbslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzuwerten. Wolfgang Berkes: „Zeiten der Schwangerschaft und Erziehung müssen endlich anerkannt werden – zum Beispiel durch Extra-Rentenpunkte“.

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