2015 - „Wir brauchen keine Sklaven“

„Wir brauchen keine Sklaven“

Jubilarehrung der IG BAU

Foto:  IG BAU
Foto: IG BAU
Ibbenbüren, 11.11.2015
„Wir brauchen keine Sklavinnen und Sklaven in unseren Betrieben!“ Solch starke Worte fand Carsten Burckhardt, Vorstandsmitglied im Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (BAU), anlässlich der diesjährigen Jubilarehrung des Bezirks Münster-Rheine. Damit spielte er auf den anhaltenden Trend an, Arbeitsstellen so umzuformen, dass die Löhne deutlich gesenkt werden.

Die Gewerkschaft hatte ins Hotel Leugermann eingeladen, um langjährige Mitglieder für ihre Treue auszuzeichnen. Auf 5930 Jahre Mitgliedschaft bringen es die 164 diesjährigen Jubilare insgesamt. „Das sind 2930 Jahre Einsatz für faire Arbeit. Wir bauen auf die Erfahrungen und auf die Erfolge unserer Jubilare“, sagte Wolfgang Berkes, Vorsitzender der IG BAU Münster-Rheine. Ob Maler, Maurer, Dachdecker, Landschaftsgärtner oder Gebäudereiniger: Im Münsterland profitierten viele Beschäftigte von den Tarifabschlüssen der IG BAU.

Auch Carsten Burckhardt verwies in seiner Rede an die Jubilare und ihre Begleiter auf die Errungenschaften der Gewerkschaften: So seien unter anderem der Mindestlohn und die „Rente mit 63“ nach 45 Berufsjahren auf den Einsatz der Gewerkschaftsleitungen zurückzuführen.

Beendet sei die Arbeit der Gewerkschaft aber noch lange nicht, klaffe die Schere zwischen Arm und Reich doch immer weiter auseinander: „Auf der einen Seite Lohndumping bei den Beschäftigten, auf der anderen Seite riesige Profite und Vermögenszuwächse für Reiche“, so beschrieb Burckhardt das anzugehende Hauptproblem und verwies dabei auf einen kürzlich veröffentlichten OECD-Bericht: „In keinem anderen Euro-Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland.“

Daher heißt das aktuelle Leitbild der IG BAU auch „Faire Arbeit, Jetzt!“ Was genau sich hinter der „fairen Arbeit“ verbirgt, das erläuterte Carsten Burckhardt so: „Ein unbefristeter und sicherer Arbeitsplatz mit einem verlässlichen Einkommen, das für ein gutes Leben reicht und unsere guten Leistungen gerecht anerkennt“ sowie „eine verlässliche soziale Sicherung“ seien die beiden wichtigsten von vier Forderungen, die von der IG BAU an die Arbeitgeber und die Politik gestellt werden.

Aufgaben für die Gewerkschaft gibt es also nach wie vor genug. An die Anwesenden appellierte Burckhardt, bei den eher gewerkschaftsmüden jüngeren Arbeitnehmern für eine Mitgliedschaft in der IG BAU zu werben, denn nur im Verbund könne man den Forderungen Nachdruck verleihen: „Die Solidarität macht uns stark“, erklärte er.

Quelle: Westfälische nachrichten vom 11.11.2015

4stats