IG BAU Münster-Rheine aktuell - „Turbo-Bauen“: Gewerkschaft warnt vor steigendem Unfallrisiko

„Turbo-Bauen“: Gewerkschaft warnt vor steigendem Unfallrisiko

Münster baute 1.722 Wohnungen im letzten Jahr – plus 27 Prozent


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Münster, 23.11.2017
Bauarbeiter aus Münster haben alle Hände voll zu tun: Die Branche brummt. Allein im
vergangenen Jahr wurden in der Stadt 1.722 neue Wohnungen gebaut – 27 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Nach Beobachtung der Gewerkschaft steigt mit der Zahl der Aufträge aber häufig auch die Unfallgefahr. „Gerade jetzt zum Winteranfang müssen viele Projekte fertig werden. Dieses ,Turbo-Bauen‘ führt zu enormem Stress für die Beschäftigten“, berichtet Gewerkschafter Detlev Hopp. Allzu oft drohe der Arbeitsschutz dem Termindruck zum Opfer zu fallen.

Die IG BAU Münster-Rheine fordert die heimischen Bauunternehmen auf, die
Arbeitssicherheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer in einer Höhe von fünf
Metern oder mehr auf einer Leiter arbeitet, der riskiert eine Menge. Besser ist da ein
Gerüst – auch wenn es den Chef mehr kostet“, macht Hopp deutlich. Die Unfallzahlen in der Branche seien nach wie vor zu hoch, sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende: Rund
21.800 meldepflichtige Arbeitsunfälle auf nordrhein-westfälischen Baustellen registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im letzten Jahr.

Ein weiteres Problem: Auf vielen Baustellen fehlt es nach IG BAU-Angaben an
Fachkräften, die sich um den Arbeitsschutz kümmern – obwohl dies die
Baustellenverordnung vorschreibt. Gerade bei Subunternehmern, die Bauarbeiter aus dem Ausland beschäftigen, suche man in der Regel vergebens nach qualifiziertem Personal.

Dass ein besserer Arbeitsschutz die Baukosten in die Höhe treibt, hält Detlev Hopp für ein „fadenscheiniges Argument“. Die deutsche Bauwirtschaft verzeichne seit Jahren steigende Umsätze – allein im ersten Halbjahr 2017 lag das Plus laut Bundes-Statistik bei über sechs Prozent. „Wer volle Auftragsbücher hat, bei dem muss die Gesundheit seiner Beschäftigten ganz oben auf der Liste stehen. Denn viele Unfälle lassen sich etwa durch Schutzbrille und Helm vermeiden. Aber auch durch die Fortbildung für Mitarbeiter.
Arbeitsschutz kann man lernen. Ein sicherer Arbeitsplatz hat viel mit dem richtigen Know-how zu tun“, so Hopp weiter.

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