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Münster: 1.700 Minijobs im Corona-Jahr verloren gegangen

„450-Euro-Stellen nicht krisenfest“ | IG BAU fordert Reform

geb.reinigerin
13.07.2021
Presse

Wenn der Minijob zur Falle wird: In Münster sind im vergangenen Jahr rund
1.700 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Innerhalb von zwölf
Monaten sank ihre Zahl um vier Prozent auf zuletzt 41.000, wie die
Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich hierbei auf
neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. „Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles
andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-
Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das
Arbeitslosengeld haben“, kritisiert Detlev Hopp. Der Bezirksvorsitzende der IG BAU
Münster-Rheine fordert, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Betroffene besser zu
schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden.

In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse besonders stark verbreitet
und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. Laut
Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen in Münster Ende vergangenen Jahres rund
1.300 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben. Das sind
32 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche. Die IG BAU rät
Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen
Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen.

„Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die
Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse
sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs
abzuschaffen“, so Hopp. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur
Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie
wirksam geschützt werden.

Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende
Reform der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema
dringend anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf
550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen,
statt sie einzudämmen, warnt die IG BAU.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie
bundesweit 870.000 Minijobs verloren gegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche
Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige
Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp
170.000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen.